Ganzjahresreifen im Winter: Was das Alpine-Symbol aussagt

Nahaufnahme einer Reifenflanke mit der Aufschrift 205/55 R16 H und dem Alpine-Symbol, ein Berg mit Schneeflocke
Foto: Frank Albrecht / Unsplash

Ein Reifensatz für das ganze Jahr klingt bequem. Vor dem Winter lohnt sich trotzdem ein genauer Blick auf die montierten Reifen: Die Bezeichnung „All Season“ beantwortet noch nicht alle Fragen zur Zulässigkeit und Eignung. Wichtig sind das Alpine-Symbol, der Zustand der Reifen und die Strecken, auf denen Sie unterwegs sind.

Dieser Check hilft bei der Entscheidung, ob Sie mit dem vorhandenen Satz weiterplanen können oder vor dem ersten Wintereinbruch eine Beratung benötigen.

In Deutschland gilt für Pkw eine situative Winterreifenpflicht: Maßgeblich sind Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte. Ein fester Zeitraum von Oktober bis Ostern ist keine gesetzliche Vorgabe. Grundlage ist § 2 Absatz 3a StVO.

Ein Berg mit Schneeflocke ist das entscheidende Zeichen

Das Alpine-Symbol zeigt einen Berg mit drei Spitzen und einer Schneeflocke. Reifen für winterliche Wetterverhältnisse müssen die gesetzlichen Anforderungen erfüllen und entsprechend gekennzeichnet sein. Die frühere Übergangsregel für bestimmte Reifen mit ausschließlicher M+S-Kennzeichnung ist abgelaufen; seit dem 1. Oktober 2024 genügt M+S allein dafür nicht mehr. Quellen: § 36 StVZO, Verbraucherportal Bayern zur Reifenkennzeichnung.

Prüfen Sie deshalb die Flanke jedes montierten Reifens. Bei schlecht lesbaren Markierungen hilft ein Foto für die Rückfrage beim Reifenfachbetrieb. Kaufen Sie einen gebrauchten Radsatz, lassen Sie sich die Kennzeichnungen aller vier Reifen zeigen.

Gesetzliche Mindestanforderung und passende Bereifung unterscheiden

Das Alpine-Symbol ist kein pauschales Gütesiegel für jede Fahrsituation. Bei der Auswahl zählen auch Leistungen auf nasser, trockener und winterlicher Fahrbahn. Wie unterschiedlich Modelle abschneiden können, zeigen vergleichende Untersuchungen wie der ADAC-Ganzjahresreifentest in der Dimension 205/55 R 16.

Nutzen Sie Testergebnisse als Entscheidungshilfe für eine konkrete Reifengröße und ein konkretes Modell. Ein Ergebnis lässt sich nicht ohne Weiteres auf jede andere Dimension übertragen. Prüfen Sie außerdem das Testjahr: Ein bekannter Produktname ist kein Ersatz für die genaue Modellbezeichnung des angebotenen Reifens.

Welche Strecken fahren Sie wirklich?

Erstellen Sie vor dem Kauf eine kurze Beschreibung Ihres Alltags. Fahren Sie hauptsächlich im Stadtgebiet? Müssen Sie morgens unabhängig vom Wetter zur Arbeit? Gehören regelmäßig Gebirgsstrecken oder Winterurlaube dazu? Wie hoch ist die jährliche Fahrleistung?

Mit diesen Angaben kann ein Fachbetrieb die Auswahl besser einordnen als mit der allgemeinen Frage nach dem „besten Ganzjahresreifen“. Bitten Sie bei einem Angebot um eine nachvollziehbare Begründung für Ihr Fahrzeug und Ihre Nutzung. Vergleichen Sie dabei auch die Alternative aus Sommer- und Winterreifen einschließlich Wechsel und Lagerung.

Profil, Schäden und richtige Dimension prüfen

Nahaufnahme eines Reifenprofils mit Profilrillen und Lamellen in Schwarz-Weiß
Foto: Yvette S / Unsplash

Für Pkw gilt im Hauptprofil eine gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern. Das ist die rechtliche Untergrenze und kein Versprechen guter Wintereigenschaften. Außerdem müssen Reifengröße und Ausführung zu Belastung und Geschwindigkeit des Fahrzeugs passen. Die Anforderungen stehen in § 36 StVZO.

Bei sichtbaren Schäden oder auffälligem Verschleiß sollten Sie den Zustand fachlich prüfen lassen. Das Produktionsdatum und weitere Kennzeichnungen helfen beim Einordnen des Reifens; ihre Bedeutung erläutert das Verbraucherportal Bayern. Legen Sie beim Termin auch Fahrzeugpapiere und gegebenenfalls die Unterlagen der Räder bereit.

Vor dem Reifenkauf abhaken

  • Alpine-Symbol am konkreten Reifen vorhanden?
  • Reifengröße und Ausführung für das Fahrzeug passend?
  • Profil und Zustand fachlich eingeschätzt?
  • Testbericht zur passenden Dimension und Modellversion gelesen?
  • Fahrprofil und mögliche Winterreisen mitberücksichtigt?
  • Gesamtangebot einschließlich Montage und weiterer Leistungen verglichen?

Für eine Auslandsreise sollten Sie zusätzlich die Regeln der betroffenen Länder prüfen. Die deutsche Kennzeichnung allein beantwortet nicht jede Frage zu lokalen Ausrüstungs- und Mitführpflichten. Zur praktischen Organisation des Wechsels finden Sie weitere Hinweise in unserem Beitrag zum Reifenwechsel.